Im Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung attestiert die BaFin der deutschen Finanzwirtschaft bei allem Fortschritt nach wie vor auch Defizite und Versäumnisse.1 Mit der rasanten Digitalisierung und der zunehmenden Verbreitung von Kryptowährungen und dezentral verwalteten Finanzprodukten (DeFi)2 eröffnen sich neue, grenzüberschreitende und oft anonyme Wege für illegale Finanzströme. Dieser rasant expandierende Trend erschwert Instituten und Aufsichtsbehörden die Eindämmung der Geldwäsche und der Terrorismusfinanzierung.

Auch in Deutschland sehen sich Finanzakteure mit immer komplexeren Anforderungen an Anti-Geldwäsche-Maßnahmen (anti-money laundering, AML) konfrontiert. Fälle wie der Danske-Bank-Skandal3 verdeutlichen, wie wichtig transparente Richtlinien für robuste Datensicherheit sowie leistungsstarke IT-Systeme im Bereich der Geldwäscheprävention sind, um verdächtige Transaktionen frühzeitig zu erkennen und effektiv zu bekämpfen. Die Herausforderung für viele Unternehmen besteht darin, diese Maßnahmen kontinuierlich an die dynamischen Bedrohungsszenarien und dem technologischen Fortschritt anzupassen. Somit stellt sich die Frage, wie AML-Strategien unternehmensintern effizient gestaltet und wie technische Innovationen dazu beitragen können, Finanzsysteme vor kriminellem Missbrauch zu schützen.

Fokus und Entwicklung der AML-Vorschriften

In Deutschland gelten für Finanzakteure zum einen EU-weite regulatorische Vorgaben wie die fünfte und sechste Geldwäscherichtlinie4, Markets in Crypto-Assets-Verordnung (MiCA)5 oder die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO)6, zum anderen ergänzende inländische Vorschriften wie das Geldwäschegesetz (GwG) oder das Gesetz zur Einführung elektronischer Wertpapiere (eWpG). Diese Regelwerke geben den Handlungsrahmen der Institute etwa bei der Kundenprüfung (customer cue ciligence, CDD) oder der Meldung verdächtiger Aktivitäten vor und stellen sicher, dass digitale Finanztechnologien im Einklang mit höchsten Sicherheits- und Datenschutzstandards genutzt werden.

Aufgrund der zunehmenden Bedrohung durch Finanzkriminalität hat der EU-Gesetzgeber mit der Gründung der Anti-Geldwäschebehörde Authority for Anti-Money-Laundering and Countering the Financing of Terrorism (AMLA) reagiert. Sitz der Behörde ist Frankfurt am Main, ab Juli 2025 soll sie sich ihren Kernaufgaben widmen:7 EU-weit einheitliche Umsetzung der AML-Vorschriften sowie direkte Aufsicht über riskante Finanzunternehmen.8 Ergänzend dazu tritt 2027 die EU-AML-Verordnung (AML-VO) in Kraft, die nationale Gesetze wie das GwG teilweise ersetzt und den Adressatenkreis erweitert.

Trotz der Einrichtung der AMLA wird in Deutschland die BaFin in der Geldwäscheprävention weiterhin eine Hauptrolle spielen. Sie prüft regelmäßig die Einhaltung der regulatorischen Vorgaben und ordnet bei Mängeln Sonderprüfungen an. Im Fokus stehen dabei die internen Sicherheitsmechanismen und die Compliance-Kultur der beaufsichtigten Institute, insbesondere die Aufgaben und Befugnisse der Geldwäschebeauftragten, um sicherzustellen, dass Überwachungssysteme auf spezifische Risiken abgestimmt sind9.

Chancen und Herausforderungen in der AML-Umsetzung

Mit der sorgsamen Einhaltung der AML-Vorschriften gewinnen Unternehmen nicht nur Rechtssicherheit, vermeiden Reputationsschäden und Sanktionen, sondern stärken auch das Vertrauen ihrer Kunden und Geschäftspartnern. Um von diesen Vorteilen zu profitieren sind jedoch zunächst erhebliche Herausforderungen zu bewältigen.

Manche Geschäftsmodelle und digitale Finanzinnovationen sind für Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung anfälliger als andere.10 Die Umsetzung der individuell geforderten Standards ist aufgrund der Komplexität internationaler und nationaler Vorschriften enorm kapitalintensiv. Speziell die Integration innovativer Technologien in bestehende Legacy IT-Systeme ist gleichermaßen risikoreich und erfordert ein effizientes Zusammenspiel zwischen Experten und Technik. Der Umsetzungsaufwand endet jedoch nicht mit der Implementierung, da sich die Methoden zur kriminellen Geldwäsche stetig weiterentwickeln. Zudem zieht die Prüfung verdächtiger Transaktionen und die Reaktion auf falsch-positive Befunde viel Handarbeit durch geschultes Personal nach sich, was den manuellen Prüfaufwand erhöht.

Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, müssen Finanzinstitute ihre Strategien und Technologien kontinuierlich anpassen und Vertrauen in innovative Lösungen stärken.

Technologische Innovationen als Schlüssel zur Geldwäschebekämpfung

Um mit der Dynamik der Bedrohungslage Schritt zu halten, bietet die Automatisierung einzelne Prozesse durch Künstliche Intelligenz (KI) und Machine Learning (ML) eine zukunftsweisende Lösung, da sie Anpassungsfähigkeit und Kosteneffizienz verbinden.11 Fortschrittliche Netzwerkalgorithmen analysieren Transaktionen und Verhaltensmuster, um potenziell illegale Aktivitäten zu identifizieren.

In Deutschland werden KI und ML zunehmend als Kerntechnologien zur Optimierung von AML-Programmen eingesetzt. Maßnahmen zur Abwehr von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung lassen sich damit automatisieren, Lücken in der Einhaltung regulatorischer Vorgaben identifizieren und der Anteil falsch-positiver Befunde senken. Dank ihrer Flexibilität und Skalierbarkeit wachsen solche Lösungen mit den Datenmengen des digitalen Finanzmarktes mit. Im Speziellen bieten Blockchain-Technologien darüber hinaus Transparenz und Nachvollziehbarkeit von Transaktionen und erschweren so den Missbrauch durch Kriminelle.

Fazit: Effektivere Geldwäschebekämpfung durch Innovation und Kooperation

Im Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung gibt der technologische Fortschritt enormes Potenzial. Moderne Überwachungs- und Analysesysteme helfen Finanzunternehmen, gesetzliche Vorgaben einzuhalten und das Vertrauen ihrer Kunden und Dienstleister zu stärken, indem sie Finanzströme lückenlos nachvollziehen und Verdachtsfälle frühzeitig ermitteln. In einer zunehmend vernetzten Welt, in der Sicherheit und Integrität mehr Risiken ausgesetzt sind als je zuvor, wird Technik, die Prozesse transparent und legitime Akteure agiler macht, zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.

Angesichts der stetigen Entwicklung von Finanztechnologienstehen Unternehmen unter Druck, ihre AML-Strategien kontinuierlich weiterzuentwickeln. Mit einer Kombination aus Expertenwissen, KI, Machine Learning und Blockchain ermitteln sie verdächtige Transaktionen schneller und präziser, vereinfachen und automatisieren aufwendige, komplexe Prozesse.

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Quellenverzeichnis

  1. BaFin. Geldwäscheprävention: Erfahrungen aus Sonderprüfungen ↩︎
  2. Artikel der Consileon zu DeFi ↩︎
  3. Finance-Magazin. So kam es zum Danske-Bank-Skandal ↩︎
  4. EUR-Lex-Dokument 32024L1640 ↩︎
  5. BaFin. Europäische MiCA-Verordnung: Regel-Fundament für Kryptowerte ↩︎
  6. Amtliche deutsche Fassung ↩︎
  7. BaFin. Der neue Europäische AML/CFT-Aufsichtsrahmen ↩︎
  8. Europäisches Parlament. Neue EU-Vorschriften zur Bekämpfung der Geldwäsche verabschiedet ↩︎
  9. BaFin. Geldwäscheprävention: Erfahrungen aus Sonderprüfungen ↩︎
  10. BaFin. Risiken aus unzureichender Geldwäscheprävention. ↩︎
  11. Consileon. Wie künstliche Intelligenz Banken bei der Compliance helfen kann ↩︎
  12. Regulatorik-Radar der Consileon Business Consultancy ↩︎